Venezianische Masken vom Karneval in Venedig auf dunklem Untergrund
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Masken, Kostüme und Akrobaten – der Karneval in Venedig

Venedig – die Stadt der Kanäle, Brücken und des wohl abgefahrensten Karnevals (abgesehen von Köln vielleicht). Der Karneval in Venedig ist eine echte Institution und auf der ganzen Welt bekannt. Nur wissen die wenigsten, was es mit den bunten Masken und Kostümen auf sich hat und wie das wochenlange Fest überhaupt entstand. Um diese Wissenslücken zu füllen, haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt und erklären euch hier und heute alles über den venezianischen Karneval.

Bild von Ann-Christin Dimon

Ein Artikel von Ann-Christin

Wenn Werkstudentin Ann-Christin nicht grade über Gott und die Welt schwadroniert, berichtet sie am liebsten über ihre persönlichen Erlebnisse auf der italienischen Halbinsel. Ihr Schreibstil: Dadaistischer Nonsens gepaart mit einer großen Portion Amore.

Der historische Karneval in Venedig

Um den heutigen Karneval in Venedig zu verstehen, lohnt es sich die Geschichte des rauschenden Festes genauer unter die Lupe zu nehmen: Venedig war bis 1797 eine Republik und hat alles geplündert, was nicht niet- und nagelfest war. Dementsprechend war Venedig steinreich. Und weil es bei Venedig einfach lief, bis ein kleiner Franzose mit Napoleon-Komplex die Party beendete, feierte man den Karneval schon damals sehr ausgelassen.
Zu den Zeiten der Republik begann der Karneval am Donnerstag vor Fastnacht. Das hatte zum einem den Grund, dass eine Woche später die Fastenzeit beginnt, zum anderen, weil sich an diesem Tag der Sieg des venezianischen Staatsoberhaupts, des Dogen Vitale Michiel II, über Ulrich II. von Treffen (ja, er hieß wirklich so) jährte. Aus diesem Grund war die Teilnahme des Dogen am Karneval normal. Ein Mann des Volkes eben.
Um den Sieg von Vitale Michiell II. gebührend zu feiern, brannten die Venezianer Feuerwerke ab und bauten sogar menschliche Pyramiden. Man tanzte die arabische Moresca und Metzger schlachteten die Tiere, die sie eigentlich Ulrich II. schuldeten. Besonders beliebt war das Puppentheater unter dem Glockenturm auf dem Markusplatz. Hier wurden immer wieder neue Abenteuer inszeniert und hier tauchen auch die berühmten Masken zum ersten Mal auf.
Auch damals hatten die Superreichen schon eine besondere Präferenz für Wildtiere aus fernen Ländern, die in Zwingern ausgestellt wurden, damit jeder in Venedig wusste, wer der King des Mittelmeerraums ist. Aus Tierschutzsicht absolut zu verachten. Aber wenn ihr denkt, dass es abgefahrener nicht mehr geht, dann liegt ihr falsch. Als ob Wildtiere in Käfigen nicht reichen, veranstaltete man zusätzlich noch Kämpfe zwischen Hunden und Bären – muss man nicht verstehen ... 
Wie auch im heutigen deutschen Karneval, ließen schon damals die Venezianer ihren Anstand zu Hause: Man ließ sich Zähne ziehen, ging zu Wahrsagern und kaufte allerlei „Heilmittel“ von dubiosen Straßenverkäufern, während man von Akrobaten und Seiltänzern belustigt wurde.
1548 wurde ein weiteres Ereignis dem Karneval hinzugefügt, welches auch heute noch einen Höhepunkt im venezianischen Karneval darstellt: der „Volo dell’angelo“ (dt. Engelsflug). Dabei klettert ein Akrobat auf den Glockenturm des Markusplatzes und wirft Blumen in die Menge. Danach spaziert er über ein gespanntes Seil vom Glockenturm zum Dogenpalast. Crazy shit! Heute ist man, zum Glück, nicht mehr ganz so mutig unterwegs und lässt die Akrobaten "nur noch" an einem Drahtseil über den Markusplatz schweben.
Der Karneval in Venedig war aber nicht nur für seinen Protz bekannt. Die Karnevalszeit war auch die Hauptspielzeit des Theaters – hier wurden übrigens die typischen Masken zum unabdingbaren Bestandteil des Karnevals. Denn nicht nur die Theaterschauspieler, auch die Bürger und Bürgerinnen der Stadt trugen die opulenten Masken. Und dabei gab es nur einen Grundsatz: mehr ist mehr!
Aber auch die schönste und ausgelassenste Party muss irgendwann zu Ende gehen. In Venedig endete der Karneval am Dienstag vor Aschermittwoch mit einem Fackelumzug durch die Stadt an dessen Ende eine riesige Holzfigur mit einer Maske verbrannt wurde. Während die Holzfigur brannte, riefen die Bürger: „Es ist vorbei! Der Karneval ist vorbei“. Das Spektakel wurde von lautem Glockenläuten begleitet, das die Fastenzeit … einläutete (hihi).

Die Wiederbelebung des Karnevals in Venedig – so feiert man heute

Nachdem der Karneval seine Hochzeit im 18. Jahrhundert erlebte, endete er auch 1797 ganz abrupt, nachdem Napoleon Bonaparte die venezianische Republik auflöste und an Österreich anschloss. Venedig steckte ab diesem Zeitpunkt eine Niederlage nach der anderen ein und der Karneval wurde zur Nebensache. Es gab ja auch nicht wirklich etwas zu feiern.
Wiederbelebt wurde der Karneval nicht durch Tourismusagenturen, wie man vielleicht vermuten kann, sondern durch einen Film. Federico Fellinis Film „Casanova“ aus dem Jahr 1976 ist der Grund, warum jedes Jahr Massen an Touristen in die kleine Lagunenstadt strömen. Dort spielt der Karneval in Venedig eine zentrale Rolle in der Handlung. Vermutlich dachten sich viele, die den Film sahen: „Sowas möchte ich auch erleben.“ und machten sich auf den Weg nach Venedig. Die vielen Preise, die Film für sein Kostümdesign abstaubte, taten vermutlich ihr übriges.
Diese Auferstehung des Karnevals in Venedig führte auch zur Wiederbelebung einiger alter Traditionen, wie dem Theater und dem Engelsflug, der etwas weniger waghalsig ist als im 16. Jahrhundert.
Der Karneval dauert auch länger, während er früher in der Woche vor Beginn der Fastenzeit gefeiert wurde, fängt er heute bereits zehn Tage vorm Aschermittwoch an.

Masken, Masken, Masken, überall Masken – was hat es damit auf sich?

Der Karneval in Venedig ist vor allem für eins bekannt: seine Masken. Aber nicht irgendwelche Masken, sondern mit Federn, Perlen, Pailletten und Glitzer verzierte Masken. Aber warum gibt es die Masken überhaupt? Warum werden sie ausgerechnet an Karneval getragen? Und welche Formen der Masken gibt es?
Wie bereits erwähnt, wurden die Masken vor allem beim Theater getragen. Hier nahm die Verbreitung der später auch im Karneval genutzten Halbmasken ihren Anfang. Diese Maskenform hatte 2 Vorteile: sie störte nicht beim Sprechen und auch das Essen und Trinken wurde nicht behindert – perfekt also!
Aus dem Theater tauchten mit der Zeit auch verschiedenen Figuren und die dazugehörigen Masken im venezianischen Karneval auf. Schnell bildeten sich dabei einige Favoriten heraus, z. B. der Harlekin, der Dottore, die Colombina und der Capitano.

Andere Maskentypen sind:

  • Die Bauta: wurde von Frauen und Männer getragen und war auch außerhalb des Karnevals zu bestimmten Zeiten erlaubt, da sie ständige Anonymität gewährte. Gepaart wurde sie mit einem schwarzen Samtumhang und dem typischen venezianischen Dreispitz. Sie zeichnet sich durch ihr gewölbtes Kinn aus und bedeckt das Gesicht bis zum Mund.
  • Die Moretta: eine Maske für Frauen. Sie ist klein, oval und wurde ursprünglich aus Samtstoffen hergestellt. Da sie mit dem Mund gehalten wird, konnte die Trägerin nicht sprechen.

Die Masken wurden aber nicht nur an Karneval getragen, sondern zum Beispiel auch kurz vor Pfingsten und in der Vorweihnachtszeit. Auch zu offiziellen Anlässen ging man nur mit Maske und Umhang.

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